1996 war es, als je ein Mann und eine Frau, deutsch und nichtdeutsch, an Treffpunkten in Köln-Chorweiler Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren aufsuchten. Sie hatten kleine Handkarren mit Ball, Springseil und Gruppenbuch dabei und malten mit Kreide auf den Boden. Und ein wichtiges Versprechen hatten sie auch im Gepäck: „Wir kommen jetzt jeden Donnerstag, egal ob es regnet oder die Sonne scheint! Wir möchten mit euch eine Gruppe machen!“ Gegensätzlich waren damals die Reaktionen der Kinder und Eltern. An den Standorten, an denen die Familien sehr kritisch und skeptisch waren, ist heute eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Gruppenleitern entstanden. Die Entwicklung unserer Arbeit lässt sich an der Vielfalt und Lebendigkeit der oft ganz unterschiedlichen Gruppen, ihrer Mitglieder, aber auch der Betreuer ablesen.

Der manchmal konfliktreiche Weg ist Ziel unserer Arbeit! Mit Hilfe des Leiterpaars und der Gruppenregeln werden Konflikte moderiert. Sanktionen reichen von Ermahnungen bis zum zeitweiligen Gruppenausschluss. Wer fünf Mal ununterbrochen dabei war, bekommt seinen Gruppenausweis.
In den Gruppen erfahren und lernen die Kinder Toleranz, Rücksichtnahme und Teamarbeit, sowie die Auseinandersetzung mit Menschen aus anderen Kulturen und Ländern.
Neben kulturintegrativen und sozialen Aspekten bieten die Gruppen auch ein Lernfeld zur Partizipation, zur praktischen, kindgerechten „Alltagsdemokratie“.
Von 2002 bis zum Sommer 2011 gab es ein weiteres Straßen-Kinder-Projekt im Stadtbezirk Köln-Ehrenfeld.
Wir verstehen die Projekte als ein erweitertes stadtteilbezogenes Hilfeangebot, mit dem wir uns für die Belange der Kinder und ihrer Familien einsetzen.
Heute treffen sich insgesamt acht Gruppen mit rund 150 Kindern aus mehr als zwanzig Nationen an einem Nachmittag in der Woche. Sie spielen zusammen, unternehmen sportliche Aktivitäten, basteln, singen, feiern und planen zusammen Ausflüge und Erkundungen.
Ein wesentliches Element der Qualitätssicherung stellen die wöchentlich stattfindenden Reflexionsrunden dar: Hier tauschen sich die Mitarbeiter über ihre Arbeit aus und erhalten Impulse von Mitarbeitern aus der Städtischen Familienberatung Chorweiler.

Für Kindernöte e.V. fing 1996 alles mit dem Straßen-Kinder-Projekt in Chorweiler an. Das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Integrationspreis des Bundespräsidenten 2002.
Seit 2009 ist das Straßen-Kinder-Projekt wegen seinem beispielgebenden Charakter ein Referenz- und Kooperationsprojekt des Deutschen Kinderhilfswerks.
Mit einer losen Spiele- und Blättersammlung in der Straßen-Kinder-Gruppe Die Wilden im Herbst 2005 begann alles. Woche für Woche wuchs der Ordner, in dem die Kinder ihre Lieblingsspiele, Witze, Fotos und Erlebnisse der Gruppe sammelten. Als die anderen Gruppen von der Idee erfuhren, machten sie begeistert mit und in gut einem Jahr entstand mit der freundlichen Unterstützung der Aktion Mensch das Buch "Schön, dass ihr da seid! - Kindergruppenarbeit auf den Straßen von Köln". Es fängt den Charme und die Vielfalt des Straßen-Kinder-Projekts ein. Es beschreibt in erster Linie praktisch mit kurzen theoretischen Exkursen den Verlauf eines Treffens, sowie den gesamten Entwicklungsverlauf einer Gruppe vom Startschuss bis zum Abschiednehmen.
Hier geht es zum Buch "Schön, dass ihr da seid! - Kindergruppenarbeit auf den Straßen von Köln"
Einige Kinder der "ersten Stunde", mittlerweile Jugendliche, sind immer noch dabei. Unter dem Namen Volkhovener Superstars trifft sich die Fußballgruppe wöchentlich zum Fußballtraining in Volkhoven-Weiler. Die Gruppe ist ein festes Mitglieder und starker Gegner in der Liga der Kinder- und Jugendeinrichtungen des Bezirks geworden.
Über den Erfahrungszeitraum liegen umfangreiche Dokumentationen und Diplomarbeiten vor. Arbeits- und Entwicklungsberichte können angefordert werden.